Jenaer Kulturkonzeption

Welchen Mehrwert haben Kunst, Kultur und Kulturelle Bildung in einer wissenschaftlich geprägten Stadt wie Jena?

Antworten versucht die neue Kulturkonzeption für die Jahre 2021 bis 2025

Jena hat die nunmehr dritte Kulturkonzeption für die Lichtstadt vorgelegt. Sie gilt als Empfehlung und Richtschnur für kommunales kulturpolitisches Handeln für einen Zeithorizont bis 2025.

Erarbeitet auf Initiative und unter Federführung des städtischen Kulturausschusses – in seiner Zusammensetzung ein politisches Organ für Entscheidungen im Kultur- und Bildungsbereich und dem Proporz des Stadtrates folgend –, war sie von Anfang an bemüht, unterschiedlichste Perspektiven auf die Kulturszene zu ergründen, einzubeziehen, zu prüfen und mit Blick auf gesamtgesellschaftliche Prozesse daraus stichhaltige Schlussfolgerungen für die gedeihliche Entwicklung von Kunst, Kultur und Kultureller Bildung zu treffen.

Dies alles vor dem Hintergrund und unter Einbeziehung von objektiven Rahmenbedingungen: Spezifika der Stadtentwicklung ebenso wie begrenzte finanzielle öffentliche Mittel.

Band auf der Bühne bei der Kulturarena
Kulturarena Jena ©Kulturarena, A. Hub

Zur Vorgeschichte

Die erste Kulturkonzeption für den Zeitraum 2010 bis 2015 wurde im Wesentlichen zu einer Art „Selbstvergewisserung“. Dazu erfolgte eine Befragung der Jenaer Kulturakteure und der Bürger:innen. Im Ergebnis wurde eine erste Bestandsaufnahme des Status Quo und der Bedürfnisse der Jenaer überhaupt erstellt.

Mit der ersten Fortschreibung für den Zeitraum 2016 bis 2020 wurde die Präzisierung von Zielen und Maßnahmen angestrebt, hierzu wurden nunmehr vor allem zahlreiche Jenaer Kulturakteure involviert, und es entstand eine lange Liste an Wünschen, leider ohne Priorisierungen und Zeithorizonte.

Auf der Habenseite stehen nach den ersten beiden Prozessen besonders die Schaffung einer Kulturberatungsstelle, angesiedelt bei der Bürgerstiftung Jena, eine erkleckliche Steigerung des Kulturförderetats sowie eine Sensibilität für noch existierende Desiderata, etwa in puncto Schaffung von passenden Rahmenbedingungen für die Freie Szene oder hinsichtlich Raum- und Flächenproblematiken.

Sie können möglicher Weise
prozentual darstellen,
wie viele Hörer die vorklassische,
wie viele die klassische, wie viele die romantische
und wie viele die neue Kultur lieben usw.
Wollen Sie aber Begründungen,
die die einzelnen für ihre Vorliebe geben,
mit aufnehmen, so wäre wahrscheinlich eine Quantifizierung
überhaupt nicht mehr möglich, d.h., diese Begründungen würden
so sehr auseinander weisen, dass man kaum zwei unter
denselben Nenner bringen kann,
dass also statistische Kategorien sich
wahrscheinlich überhaupt nicht
bilden ließen.

Theodor Wiesengrund Adorno

Lubomyr Melnyk am Flügel im Volkbad Jena
Lubomyr Melnyk im Volksbad Jena ©JenaKultur, H. John

Zu Strategie und Vorgehen

Der Kulturausschuss beauftragte unter seiner Federführung die Werkleitung von JenaKultur im Frühjahr 2019 mit der operativen Prozessbetreuung und -steuerung und berief parallel eine Redaktionsgruppe ein. Diese bestand aus einem reichlichen Dutzend Vertreter:innen der Stadtgesellschaft, die aus ihrer Funktion heraus als kulturell relevant zu bezeichnen sind – drei politische Akteure (Stadtrat) sowie der Oberbürgermeister, drei Kulturschaffende sowie der Werkleiter des Eigenbetriebs JenaKultur und sechs Vertreter:innen aus der Zivilgesellschaft.

Außerdem erfolgte die Einbindung externer Unterstützer:innen der Leipziger Kommunal- und Unternehmensberatung GmbH beratungsraum, deren vielfältige Expertise ganz im Speziellen auch bei den Bürgerbeteiligungselementen gefragt war.

Die größte Herausforderung war es, eine Bewertungsmatrix zu entwickeln, die es in der Endkonsequenz erlaubt, nicht nur kurz-, mittel- und langfristige Ziele oder Wünsche zu formulieren, sondern durch die Sicherstellung von Messbarkeit fundierte Priorisierungen vornehmen zu können. Dabei sollten auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Trends – Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Regionalisierung – im Blick bleiben.

Zu den Prozessschritten

  • Konstitution der Redaktionsgruppe: Frühjahr 2019
  • Bürgerdialog: September 2019
  • Bürgerbefragung: von Dezember 2019 bis Februar 2020
  • Iterative Erarbeitung der Kulturkonzeption
  • Rückkopplung mit der Öffentlichkeit mittels Vídeopodcast
  • Fertigstellung im November 2020
  • Stadtratsbeschluss im April 2021

Kinderveranstaltung, bei der ein Saxofonist spielt und ein Artist Kopfstand macht
Kultursommer in Jena ©JenaKultur, T. Peißker

Zu den Empfehlungen und Maßnahmen

Kernfazite

Fortsetzung laufender 1. Entwicklungsthemen

2. Bedarfsbereiche

  • Entwicklung der Jenaer Museumslandschaft bei Priorisierung der Themen Deutsches Optisches Museum und Kunstsammlung Jena
  • Stärkung der Angebote der Kulturellen Bildung und deren mit der kommunalen Bildungspolitik
  • Füllung der Angebotslücke insbesondere im Bereich der Jugendlichen und jungen Erwachsenen durch Stärkung der Freien Szene/Soziokultur

Alle Ergebnisse wurde in 66 Rubriken – nach Einrichtungen und Themenbereichen – gegliedert und statt als Thesen in Fragebündeln formuliert.
Warum? Das Konzept stellt die Basis für politische Entscheidungen dar. Das heißt, der Kulturausschuss der Stadt muss nun mit den diagnostizierten Befunden und im Rahmen des jeweils Möglichen in konkrete Umsetzungsüberlegungen gehen, muss weiter priorisieren und durch Beschlüsse Realisierungen vorantreiben. Um jeweils aber die in jedem Einzelfall dahinter liegenden komplexen Problemlagen, Bedingungsgefüge und offenen Fragen zu markieren, die man in den Blick nehmen muss, stellt diese Darstellung eine gute fundierte Arbeitsgrundlage dar.

Die Jenaer Kulturkonzeption finden Sie mitsamt aller Anlagen als Dateien im Download-Bereich.